„VORRANG MENSCH“ FÜR KAGES-PERSONAL & PATIENTEN
Personalüberlastung in Steirischen Spitälern
Unmenschliche Arbeitsbedingungen provoziert Burn-Out
Betreuungsqualität und Patientensicherheit!
Die jüngste Befragung von 2.340 Beschäftigten der steirischer Spitäler durch die Arbeiterkammer Steiermark zeigt als Hauptproblem einen großen Personalmangel, der
· die Beschäftigten stresst,
· die hohen psychischen und physischen Belastungen noch verstärkt ,
· die Qualität der Patientenbetreuung beeinträchtigt.
„Unsere AK-Studie legt offen was die Betroffenen täglich spüren - die tägliche Arbeit im Krankenhaus macht krank“, sagt AK Vizepräsident Franz Gosch. Der Christgewerkschafter kritisiert den Sparkurs in den Spitälern: „Dieser geht eindeutig zu Lasten von Patienten und MitarbeiterInnen.“
KAGES Zentralbetriebsratsvorsitzender Manfred Wolf: „Heuer wurden uns trotz Personalbedarfsrechnung 50% des notwendigen Personalmehrbedarfes nicht freigegeben, die AK Studie zeigt sehr drastisch die Auswirkungen dieser Einsparungen auf die MitarbeiterInnen.“
Jede zweite Befragte war demnach laut Studie in den letzten drei Jahren zumindest einmal arbeitsbedingt im Krankenstand.
„Der unmenschliche Sparkurs der KAGES muss gestoppt werden“, fordert auch ÖGB Vors.Stv. Franz Haberl. Zusätzlich sollten betriebliche Programme zur Gesundheitsförderung ausgeweitet werden.
Die Steirischen Christgewerkschafter und der KAGES Betriebsrat haben als Konsequenz der Studie ein weitreichendes Forderungspaket ausgearbeitet, um sowohl den SpitalsmitarbeiterInnen zu helfen, als auch einen Beitrag für die Durchsetzung hoher Qualitätsstandarts für die steirischen Patienten zu leisten.
Vorrang Mensch – Forderungen und Perspektiven für die steirischen Spitäler:
Es gilt, das an sich gut funktionierende Gesundheitssystem in der Steiermark den heutigen geänderten Rahmenbedingungen anzupassen.
Die Leitdevise „VORRANG MENSCH“ hat besonders im Spitalsbereich eine immens große Bedeutung.
Es geht um die optimale medizinisch-pflegerische Versorgung der Patienten sowie um eine nachhaltige Motivation des gesamten Spitalpersonals, das tagtäglich diese geforderte professionelle Versorgung sicherzustellen hat.
1. SPITALSPERSONAL BRAUCHT PERSPEKTIVEN
Viele MitarbeiterInnen haben Job- und Zukunftsangst. Sie fürchten, dass große Schwerpunkt-Krankenhäuser immer größer werden und der medizinisch-fachliche Sektor in den peripheren Häusern bewusst ausgedünnt wird.
Zukunftsperspektive heißt daher: Gewisse medizinische Leistungen werden in die peripheren Krankenhäuser verlagert, um dort ganz bewusst auf die dort vorhandenen Ressourcen zurückzugreifen. Damit können ohne Kostenaufwand eine hohe Motivation der MitarbeiterInnen und gleichzeitig eine raschere und flächendeckende Patientenversorgung erreicht werden.
FORDERUNG:
+ Endlich müssen klare Entscheidungen durch den Kages-Vorstand und die politischen Ebenen getroffen werden. Dann kann sich das Personal auf die Kernaufgabe konzentrieren. Das führt zu einer besseren Versorgung der Patienten und zu einer Steigerung der Arbeitszufriedenheit.
+ Umsetzung der schon seit Jahren versprochenen Standardvorgabe von 4-Bett-Zimmern mit Nasszellen. Dies würden den ständigen Patienten-Beschwerden entgegenwirken und die Arbeitsläufe des Personals erleichtern.
2. AUSGEWOGENER MIX ZWISCHEN ALT UND JUNG ZUM VORTEIL ALLER
Die Berechnung der Mitarbeiterzahl richtet sich heute nur nach der erbrachten Leistung.
In der Folge können Urlaub, Mehrleistungs- sowie Nachtausgleichstunden nicht mehr abgebaut werden. Diese Entwicklung führt zunehmend zu Burn-Out Syndromen der MitarbeiterInnen.
Dazu kommt in den steirischen Spitälern das steigende Durchschnittsalter der MitarbeiterInnen. Die KAGES-Führung muss auf die gestiegenen Belastungen Älterer verstärkt reagieren.
Wichtig ist deshalb ein ausgewogener Mix von älteren und jüngeren MitarbeiterInnen. Auch im Spital ist bedacht auf eine alter(n)sgerechte Arbeitswelt zu nehmen.
Enlastungen für die SpitalsmitarbeiterInnen würden auch „Altersteilzeit“ Programme wie in der Privatwirtschaft bereits jahrelang üblich, bringen.
FORDERUNG:
+ Das Verhältnis von Leistung und Personalbesetzung sollte steiermarkweit einheitlich sein: Krankenhäuser, die mehr Leistungen erbringen, erhalten auch das dafür benötigte Personal.
+ Die von der KAGES durchgeführte Personalberechnung nach Modell „PPN“ muss umgesetzt werden. – Es kann nicht sein, dass Personalberechnungen erfolgen, dann aber nur 50 Prozent des ermittelten Personalmehrbedarfs freigegeben werden.
3. REDUZIERUNG DER ADMINISTRATION
Zunehmende Bürokratie und Administration - seien es ständige Vorgaben des Vorstandes, vermehrte Gesetzes- und Normvorgaben, – führen zu einer massiven zeitlichen Mehrbelastung. Diese Zeit fehlt den Patienten. Überlastung führt dazu, dass in einzelnen Fällen die Versorgung nicht mehr gewährleistet werden kann.
Wenn Administration in der Wertigkeit nicht mehr an erster Stelle steht, sollte diese auch deutlich reduziert werden.
FORDERUNG:
+ Weniger Bürokratie und Administration. Wenn nicht möglich, bedarf es zusätzlicher MitarbeiterInnen.
4. OFFENSIVE FÜR PATIENTENSICHERHEIT
In steirischen Krankenhäusern darf es nicht zu „englischen Verhältnissen“ kommen.
Im Mittelpunkt jeder qualitätsorientierten Gesundheitsversorgung steht die Sicherheit des Patienten. Unerwünschte Ereignisse, ausgelöst durch Überlastung von Ärzten und Pflegebediensteten müssen verhindert werden.
FORDERUNG:
+ Ein „Kuratorium für Patientensicherheit“ sollte sich für Strategien zur Vermeidung unerwünschter Ereignisse einsetzen. Viele unerwünschte Ereignisse gehen auf Fehler im System zurück, die infolge komplexer und arbeitsteiliger Abläufe entstehen.
+ Vertreter aller Gesundheitsberufe und –Institutionen, Belegschaftsvertretung, Patientenorganisationen und Interessierte sollen sich zu einem gemeinsamen Netzwerk zusammenschließen.